Arbeitsgruppe "Integration"

Beschreibung

„Bürgerschaftliches Engagement und Integration...

... in die Wege leiten“

Angebot des Netzwerkes zur Förderung der Integration von Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern und Zugewanderten in Hildesheim – Arbeitsgruppe des Hildesheimer Präventionsrates zur Einbindung von Spätaussiedler/innen in ehrenamtliches Engagement

1. Ausgangssituation

Das bisher in Drispenstedt durchgeführte Beratungsangebot für Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler besteht seit 02/04. Es wird bis zum 30.06.06 gefördert durch das Programm LOS, das in Stadtteilen durchgeführt werden kann, die im Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ aufgenommen wurden. Die regelmäßig zweimal wöchentlich durchgeführten Sprechzeiten dieser Beratung, in den von der Gemeinnützigen Baugesellschaft Hildesheim (gbg) kostenlos zur Verfügung gestellten Räumen der Concierge, Lohdestraße 2, sind zu einer Anlaufstelle für die in Drispenstedt und den anliegenden Stadtteilen lebenden Aussiedler/innen geworden. Die Beratung wird von zwei russisch sprechenden Fachkräften durchgeführt. Frau Pjanova, die Leiterin des Projektes ist Pädagogin und selbst Spätaussiedlerin. Sie ist auch in anderen Stadtteilen als freiberuflich tätige Pädagogin mit verschiedenen integrativen Maßnahmen betraut. Zweitkraft ist Frau Gladun, die ebenfalls Spätaussiedlerin ist und selbst in Drispenstedt lebt. Sie hat schon vor Beginn des Projektes Beratungstätigkeiten mit hohem Eigenengagement übernommen. Zusätzlich führt Frau Birgit Wendt, Diplom Sozialpädagogin mit langjähriger Berufserfahrung in der Beratungsarbeit mit Spätaussiedler/innen, die fachliche Beratung und Begleitung des Projektes durch.

2. Ziele und Projektidee

Ziel ist es, den Spätaussiedler/innen und deren Familienangehörigen Methoden und Informationen an die Hand zu geben, sich selbst und anderen bei der Bewältigung ihrer Alltagsprobleme weiterzuhelfen. Dadurch wird der Prozess der Integration vorangetrieben, das eigene Gefühl in dieser Gesellschaft einen Wert zu haben, wird entwickelt und an andere weitergegeben. Die Fachkräfte sollen auf der Basis des Erreichten den Aufbau des neu entstehenden Projektes mit ihren Vorerfahrungen durchführen. Die bestehenden engen Kontakte zu vielen Spätaussiedler/innen und zu den sozialen Einrichtungen vor Ort können dabei genutzt werden. Dem Anhang können Sie entnehmen, dass es eine Reihe von Spätaussiedler/innen gibt, die regelmäßig über Jahre hinweg die Beratungsstelle in Anspruch genommen haben. Diese sollen genauso wie Spätaussiedler/innen, die neu hinzukommen mit dem neuen Konzept erreicht werden und dadurch ihre Persönlichkeit stabilisieren und sich als Neubürger/innen emanzipieren. Förderung des bürgerschaftlichen Engagements von Spätaussiedler/innen und die Verbesserung der Zusammenarbeit mit bestehenden sozialen Einrichtungen wie dem Stadtteiltreff, Kindergärten, Grundschulen und dem Kinder- und Jugendhaus, sowie bestehenden Seniorenangeboten sind hierbei der Weg, der gegangen werden soll.

3. Begründung des Konzepts

Die Concierge in der Lohdestraße 2 liegt am Rande des Stadtteils und zugleich am Rande der Stadt Hildesheim. Trotzdem ist sie eine Anlaufstelle geworden, die regen Zulauf hat. Neben der Beratung für Spätaussiedler/innen haben weitere Angebote dazugeführt, das ein soziales Zentrum zur nachbarschaftlichen Selbsthilfe im Entstehen ist. Hier findet regelmäßig ein interkulturelles Nachbarschaftstreffen statt, der Fachbereich Jugend der Stadt Hildesheim führt einmal wöchentlich eine Beratung durch, zweimal in der Woche wird Hausaufgabenhilfe angeboten, die von der gbg finanziert wird und russisch sprechende Männer treffen sich sonntags zum Kartenspielen. In dem sozialen Zentrum in der Concierge treffen viele Menschen aufeinander, die sich im Prozess der Integration in unsere Gesellschaft befinden (im Anhang finden Sie einen Erfahrungsbericht, der eine praxisnahe Beschreibung der Zielgruppe Spätaussiedler/innen beinhaltet). Das Gelingen dieses Prozesses, der dazu führen sollte, dass Migranten und Migrantinnen lernen bzw. Mut schöpfen, sich für ihre Belange und für die Belange der Gesellschaft, in der sie leben, einzusetzen, hängt wesentlich von der Qualität der Einbindung der verschiedenen Gruppen in die gesellschaftliche Aktivität ab. Dies ist umso wichtiger, je weniger die Migranten und Migrantinnen einer Erwerbsarbeit nachgehen, dieser Aspekt einer gelungenen Integration also noch nicht erfolgt ist. Der Prozess „Integration, gelingt in vielen Fällen besser, wenn er gut begleitet wird, er führt zu gegenseitiger Bereicherung führen. Sehr unterschiedliche Faktoren hindern Menschen daran, sich innerhalb einer Zeit von drei Jahren tatsächlich heimisch und integriert zu fühlen und sich auch dementsprechend in der „neuen Heimat“ zu verhalten:

  • Die Sprache kann nicht so schnell erlernt werden. Lernblockaden und schlechtere Bildungsvoraussetzungen behindern oftmals den Lernprozess. Bei vielen älteren Menschen sind die mitgebrachten dialektgefärbten Deutschkenntnisse so verfestigt, dass sie mit dem Erlernen der hochdeutschen Sprache nicht mehr zurechtkommen.
  • Das Zurechtkommen mit der deutschen Bürokratie ist für manchen Deutschen, der hier geboren ist, schwierig - für einen Teil der Migranten und Migrantinnen stellt sie eine kaum überbrückbare Hürde dar, die innerhalb der ersten drei Jahre kaum kleiner wird.
  • In manchen Familien der Migranten gibt es viele Möglichkeiten, sich gegenseitig zu unterstützen. Es gibt aber auch bei den Russlanddeutschen immer stärker belastete Familien, bei denen die Unterstützung der einzelnen Familienmitglieder untereinander nicht mehr funktioniert.
  • Gerade bei russlanddeutschen Männern fällt auf, dass oft die Kommunikationsfähigkeiten eingeschränkt zu sein scheinen. Dadurch ist das Erlernen der deutschen Sprache noch schwieriger. Die Verhaltensweisen einiger ausgesiedelter Männer deuten daraufhin, dass die Situation in der Aufnahmegesellschaft für diese nicht zu bewältigen ist (Lernblockaden, starkes Heimweh, wenig Eigeninitiative, Alltagsbewältigung wird vollkommen an die Ehefrau übertragen).
  • Migration führt leider oft zur Zerrüttung von Familien. Die Aufnahmegesellschaft stellt neue Anforderungen, die nicht immer alle Familienmitglieder mit ihren eigenen Rollenerwartungen in Einklang bringen können.
  • Das Hauptproblem im Hinblick auf eine schnelle Integration ist weiterhin für Viele der fehlende Arbeitsplatz und das damit häufig verbundene Gefühl, nutzlos zu sein.
  • Zugleich fehlen fast immer entsprechende Möglichkeiten der direkten
  • Zusammenarbeit und des Austausches mit „Einheimischen“.
  • Menschen mit den beschriebenen Problemen treffen sich in der Lohdestraße und fühlen sich hier angenommen und verstanden.

Dies trifft besonders auf die demnächst abgeschlossene Beratungsarbeit zu. Diese Stärken werden in dem neuen Projekt zur Weiterentwicklung der sozialen Integrationsarbeit beitragen:

  • Hohe fachliche Kompetenz der Mitarbeiter/innen
  • Regelmäßige, feste Öffnungszeiten des offenen Treffangebotes für Spätaussiedler/innen
  • Vereinfachte Verständigungsmöglichkeiten, da im Bedarfsfall russisch gesprochen werden kann.
  • Vermittlung des Gefühls von Sicherheit für Spätaussiedler/innen in Hildesheim, da sie sich mit ihren Problemen und Schwierigkeiten von den Mitarbeiter/innen verstanden fühlen (Integration wird „in die Wege geleitet“!)

Zu beobachten sind bereits jetzt Effekte hinsichtlich des bürgerschaftlichen Engagements. So sind einige Menschen - quasi nebenbei auch ohne die geplante intensivere Förderung durch das neue Projekt - selbst mittlerweile auf ehrenamtlicher Basis tätig geworden. Interkulturelle Abende, Abende für ältere Russlanddeutsche, ein russlanddeutscher Chor konnte nur entstehen, weil Viele daran interessiert waren und einige sich dafür aktiv einsetzen. Diese Aktivierung von Spätaussiedler/innen ist im Entstehen. Sie muss allerdings intensiv begleitet werden, damit sie sich weiterentwickeln kann!

4. Arbeitsweise des Projektes

Das breite Angebot in der Concierge, das insbesondere Menschen mit anderen kulturellen Hintergründen anspricht, soll um eine Kontakt- und Anlaufstelle in Form eines offenen Treffs gezielt für Spätaussiedler/innen ergänzt werden. Mit dem bereits bestehenden interkulturellen Treff am Mittwoch Nachmittag, der bisher nicht von dieser Zielgruppe wahrgenommen wird, sollte dabei kooperiert werden. Die Erfahrung der bisherigen Beratungstätigkeit zeigt, dass eine tatsächlich interkulturelle Arbeit oftmals nicht von alleine entsteht und Angebote, die speziell auf klar abgrenzbare Zielgruppen zugeschnittenen sind, helfen interkulturelle Angebote darauf aufbauend zu entwickeln. Eine solche Annäherung der verschiedenen Gruppen in der Concierge, eine Ausweitung des Angebotes, das zu einer interkulturellen Öffnung führt, ist ein Teilziel des Projektes, das die Concierge als Interkulturelles Soziales Zentrum etablieren soll. Die schon allgemein bekannten Zeiten der Spätaussiedlerberatung sollen genutzt werden, um den Treff zu beginnen. Dabei werden folgende Methoden der Arbeit umgesetzt:

  • Elemente der problemorientierten Beratung, die für manche Spätaussiedler/innen sehr notwendig ist, sollen mit einfließen, um Kontakte aufzubauen und Vertrauen zu schaffen. Dabei steht der Grundsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ im Vordergrund.
  • Ideen der Stadtteilbewohner/innen für gemeinsame Aktivitäten, die gemeinsam organisiert werden, sollen aufgegriffen werden. Ebenso sollen Informationen zu wichtigen Themen: GEZ-Gebührenbefreiung, Kindererziehung, ALG II, Altenwohnungen usw. aufgegriffen und besprochen (evtl. auch mit Hilfe von Referenten) werden.
  • Auch die gezielte Unterstützung der Spätaussiedler/innen bei der Arbeitssuche kann weiterhin Inhalt sein. Regelmäßige Internetrecherche, die die Besucher/innen des Treffs auch selbständig an dem PC des Projekts durchführen können, mit gleichzeitiger Unterstützung und Hilfen bei der Formulierung von Bewerbungen, Kooperation mit dem Jobcenter des Arbeitsamtes und der Drispenstedter Jobbörse Go Job (Labora) sind möglich.
  • Der Erfahrungsaustausch der bei den Treffen anwesenden Spätaussiedler/innen, ist ein wichtiges Instrument für die Stärkung und die Aktivierung.
  • Mit einem Fragebogen, der auch aktivierende Elemente enthält, sollen die Interessen der Spätaussiedler/innen in Drispenstedt erfragt werden.
  • Für Teilnehmer/innen, die sich im Laufe des Projekts mehr zutrauen, ist eine Vermittlung als ehrenamtlich Tätige auch in Institutionen, wie z.B. Kindergarten, Schule, Kirche, Diakonie usw. geplant.

So wird es mehr und mehr dazu kommen, dass die teilnehmenden Spätaussiedler/innen ihre Kompetenzen erweitern und sich zutrauen ehrenamtlich aktiv zu werden. Ehrenamtliches Potential kann sich frei entfalten und wird mit vorhandenen Engagementmöglichkeiten z.B. im Stadtteiltreff in Bezug gesetzt.

Langfristiges Ziel ist dabei neben der besseren Vernetzung innerhalb der Concierge, während der kommenden zwei Jahren eine Gruppe oder auch mehrere Gruppen zu stabilisieren, die sich aus eigener Kraft trifft und ihren Themenschwerpunkt, der sehr vielfältig denkbar ist, selbst setzt. So könnte die Zusammenarbeit mit dem Stadtteiltreff, das größere Zentrum in Drispenstedt, sich fortsetzen. Ehrenamtliche Arbeit, d.h. zum Beispiel die Durchführung von interkulturellen Festen, von Kreativangeboten, der russisch-deutsche Chor usw., kann dort eingebunden und weitergeführt werden. Genauso könnte eine Gruppe entstehen, die sich mit inhaltlichen Themen wie Kindererziehung, Kontakt zur Hildesheimer Verwaltung, Mieterproblemen, usw., auseinandersetzt.